Börsenkommentar und Marktsentiment

08.05.2013: Historische Tage liegen hinter uns. Der Leitzins fällt auf 0,5 Prozent und der DAX erreicht ein neues Allzeithoch und übersprang seine alten Hochpunkte aus den Jahren 2000 und 2007. Die Medien feiern den DAX. Doch ist das Sentiment wirklich so positiv?

Die Stimmung am Markt scheint überaus positiv. Die großen Medien sprechen vom Gipfelstürmer (ARD), Rekordjagd (FAZ) und Turbo-Dax (Bild). Die Marktstimmung wird durch die Umfrageteilnehmer daher auch zu 80% als optimistisch beschrieben.

Aber ist das Sentiment wirklich so rosig? Anders als beim Dow Jones ist der Ausbruch beim DAX noch keineswegs signifikant. Der Sprössling ist gerade seinem Samen entwachsen.

Sentiment Analyse zum DAX auf AllzeithochDie Umfrageteilnehmer sehen die Lage durchschnittlich auch nicht so positiv. Auf Sicht von drei Monaten erwarten sie leicht fallende Kurse. Der Indikator für drei Monate liegt bei gut 43 Punkten (vgl. Abbildung*). Von optimistischen, gar überoptimistischen Erwartungen ist unter den Teilnehmer nichts zu spüren. Die Marktteilnehmer lassen sich nicht von den Medien anstecken und bleiben cool.

Dies ist jedoch kein negatives Signal. Im Gegenteil. Aktienkurse klettern bei einer vorsichtigen Haltung am stabilsten nach oben. Ohne Zweifel kann es keine steigenden Aktienkurse geben. Sollte der DAX die alten Höchststände deutlich hinter sich lassen, wäre das jetzige Sentiment ein guter Nährboden für weiter steigende Kurse.

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*) Abbildung: gleitender Durchschnitt für 4 Wochen, neutrale Mitte bei 50 Punkten

01.05.2013: Die Berichtssaison ist in vollem Gange. Die Quartalszahlen sind bislang gemischt ausgefallen. Die Interpretation der Unternehmenszahlen durch die Umfrageteilenehmer auf marketVote fällt leicht negativ aus.

Die Deutsche Bank hat positiv überrascht und nach der Bekanntgabe Ihrer Quartalszahlen rund acht Prozent gewonnen. Auch BASF überraschten am Freitag positiv und gewannen fast vier Prozent.

Fresenius Medical Care hingegen hat gestern deutlich verloren, da die Quartalszahlen enttäuschten. Bei Bayer gab es zwar auch eine leichte Enttäuschung. Die Kursverluste hielten sich in Grenzen und blieben unter einem Prozent. Daimler verdiente deutlich schlechter und gab zudem eine Gewinnwarnung für das aktuelle Jahr bekannt.
Berichtssaison Unternehmen 2013
Die Umfrageergebnisse

Was sagen nun die Umfrageteilnehmer auf marketVote zu dieser Situation? Offenbar sind die schlechten Ergebnisse deutlicher im Gedächtnis haften geblieben als die positiven Überraschungen.

Die auf marketVote erhobenen Meinungen zur Unternehmensbewertung sind leicht stiegen. Der hierzu ermittelte Index stieg von rund 50 Zählern (Umfrage vor vier Wochen) auf knapp 60 Punkte. Das bedeutet, eine leichte Mehrheit sieht heute eine leichte Überbewertung deutscher Großkonzerne; vgl. auch Abbildung.

Dieses Umfrageergebnis spricht gegen steigenden Kurse, denn ein überbewerteter Markt baut in der Regel seine Überbewertung wieder ab. Allerdings sollten zwei Faktoren berücksichtigt werden: Zum einen ist diese eingeschätzte Überbewertung näher an einem neutralen Wert, als dass man von einer definitiven Überbewertung sprechen kann. Zum Zweiten stehen noch einige Quartalszahlen ins Haus.

Ich bin gespannt auf die nächsten Ergebnisse in der aktuellen Berichtssaison. Was denken Sie? Werden die kommenden Quartalszahlen schlechter oder besser als erwartet ausfallen?

24.04.2013: In meinem ersten Artikel zu Sell in May (hier) hatte ich am Ende einen eher rätselhaften Chart eingefügt. Doch geschah das in der Absicht, anzudeuten, dass die Sell-in-May-Strategie möglicherweise nicht zu beweisen ist. Hier nun der 2. Teil zu dieser Börsenregel. 

In dem folgenden Chart habe ich den durchschnittlichen Verlauf über die Jahre 1988 - 2012 abgebildet (wiederum DAX-Kursindex). Hinzugefügt habe ich die für einen Monat beste Performance (obere, orange Line) und die jeweils schlechteste Performance in einem Monat (untere, graue Linie). Der Mittelwert aus den Monaten wird in dieser Grafik also von der bestmöglichen und schlechtesten Performance eingerahmt.

Spannweite DAX

An den Prozentzahlen, welche den Gewinn und Verlust abbilden, ist deutlich zu erkennen, dass die Spannweite erheblich ist. Wer also nicht die vergangenen 25 Jahre nach dieser Regel gehandelt hat, sondern einfach 'mal so die Sell-in-May-Strategie ausprobiert hatte, kann großes Glück gehabt haben oder auch ordentliche Verluste eingefahren haben. Wenn überhaupt ist diese Anlagestrategie nur für sehr langfristige Anlagen möglich. Dies zeigt auch die folgende Tabelle.

Saisonale Anlagestrategie

In ihr sind alle Monatsergebnisse des DAX-Kursindex zu erkennen. Grün sind jene Gewinne gekennzeichnet, die größer 5 Prozent sind. Denn immerhin will man ja ein wenig verdienen und Gebühren müssen ja auch erstmal verdient werden.

Die Tabelle zeigt, dass sich Durststecken über mehrere Jahre erstrecken können. Beispielsweise im recht erfolgreichen Börsenmonat November konnte in den letzten sieben Jahren kein Monatsgewinn über 5 Prozent erzielt werden.

Statistische Analyse

Doch letztlich ist die entscheidende Frage ist, ob die Performance statistisch nachgewiesen werden kann. Um es vorwegzunehmen: Die Ergebnisse sind bescheiden.

Um zu überprüfen, ob die einzelnen Monate statistisch signifikant sind, habe ich mich einiger statistischer Prüfverfahren bedient. Dazu nutzt man Testverfahren, welche prüfen, ob ein durchschnittlicher Gewinn (bspw. der Februar mit 1,3 Prozent) ausgesprochen deutlich ist oder ob er zufällig zustande gekommen sein könnte. Bei der Berechnung spielt die Schwankungsbreite (ähnlich der Volatilität) eine entscheide Rolle.

Ich habe zwei Prüfverfahren benutzt. Der sogenannte t-Test* offenbarte, dass die Monate Januar bis September zufällig zustande gekommen sein könnten. Allein die Monate November und Dezember weisen so deutliche Gewinnraten auf, dass von einem signifikanten Effekt gesprochen werden kann. Allerdings zeigt meine zweite Überprüfung nach Duckworth & Wyatt (1958), kein einziges signifikantes Ergebnis für einen Monat. 

Signifikant fpr November und Dezember

Das berechnete Ergebnis bezieht sich allein auf den DAX-Kursindex im Zeitraum 1988 – 2012. Trotzdem wird diese Vorgehensweise manchmal als Anlagestrategie angepriesen, teilweise sogar Börsenweisheit genannt. Erfolg von dieser Börsenregel kann also nur darauf beruhen, dass sie relativ einfach umzusetzen ist. Häufig wird dabei die Schwankungsbreite nicht berücksichtigt. Sie ist aber entscheidend, wenn es darum geht, die Güte einer Strategie zu überprüfen.

Insgesamt konnte ich also keine Beweise dafür finden, im Mai zu verkaufen. Für die Monate November und Dezember fand ich nur schwache und widersprüchliche statistische Beweise.

*) Anmerkungen zur Statistik: T-Test: Fehlerwahrscheinlichkeit: 5%, zweiseitig; Duckworth & Wyatt (1958): Testverfahren auf ordinalem Skalenniveau, zweiseitig

17.04.2013: Sell in May: eine alte Börsenregel, die immer wieder gerne zitiert wird. Die einfachsten Börsenweisheiten sind immer noch die besten, sagt man. Doch ist die Börsenregel nur so erfolgreich, weil sie so einfach zu verstehen ist oder ist auch die dahinterstehende Strategie eine, die Gewinne verspricht?

Schon immer wollte ich mir dieses Phänomen genauer ansehen. Da nun der Mai vor der Tür steht, ist dies eine gute Gelegenheit eine kleine Untersuchung durchzuführen. In einem ersten Teil werde ich heute die Idee im Einzelnen darstellen.

Um die Daten zu überprüfen, greife ich auf den Dax seit Januar 1988 bis Dezember 2012 zurück. Das sind genau 25 Jahre. Grundlage meiner Analyse sind die monatlichen Schlusskurse des DAX (Quelle: Deutsche Bundesbank .

Performance- oder Kursindex

Meine erste Überlegung galt der Frage, auf welchen DAX man sich beziehen soll. Eine saisonale Strategie ist eine Frage des Timings und eine Strategie für Trader und Quants und weniger für fundamentale Investoren.

Der bekannte DAX-Performanceindex wird in diesem Fall durch die Dividenden verfälscht. Daher halte ich den DAX-Kursindex, welcher die Kursbewegungen ohne Dividenden abbildet für geeigneter. Es muss jedoch bedacht werden, das sich die Dividenabschläge beim DAX-Kursindex negativ auswirken. Dies gilt insbesondere für die Monate April und Mai.

Die Strategie - ein Rückblick

Strategie im MaiEine Aufteilung des deutschen Aktienindex nach Monaten ergibt eine auf den ersten Blick beeindruckende Performance des DAX Kursindex – insbesondere im April, Oktober, November und Dezember, vgl. Abbildung 1.

Auch insgesamt hat der DAX in den letzten 25 Jahren deutlich zugelegt. Angenommen, ein Anleger wäre den vollständigen Zeitraum von 1988 bis 2012 konsequent im DAX investiert gewesen, dann hätte er einen Gewinn von gut 200 Prozent erzielt. (gemessen am DAX Kursindex).

25 Jahre ist ein langes Zeitfenster. Daher ist es sinnvoll, den durchschnittlichen Gewinn pro Jahr zu ermitteln. So wird das Ergebnis mit andern Anlageformen vergleichbar. Hierzu wird der Mittelwert aller Monate gebildet. Es ergibt sich folgende jährliche Performance für die Monate ...

DAX: Sell in May pro Jahr

Der durchschnittliche Jahresgewinn hätte pro Jahr 8,1 Prozent betragen. Ein ausgesprochen gutes Ergebnis, vergleicht man es mit dem aktuellen Zinsniveau in Deutschland.

Sell in May

„Sell in May, but remember to come back in September“ lautet die vollständige Börsenregel. Um die Performance über 25 Jahre zu verbessern, müsste ein Anleger die Monate Juni bis September aus seiner Strategie streichen.

Und tatsächlich verbessert sich das Ergebnis deutlich. Wer in den letzten 25 Jahren die Monate diszipliniert Juni, Juli, August und den September ausgespart hatte, hätte seine Performance deutlich gesteigert: Ingesamt auf gut 300% Prozent bzw. auf gut 12% pro Jahr. Das ist ein beeindruckendes Resultat - oder?

Vorabprüfung

Um eine erste Überprüfung durchzuführen, habe ich einfach alle 25 Jahre des DAX in einem Chart einzeln übereinandergelegt.

Sell in May Strategie

Was erkennen Sie? Ich erkenne nichts! Es gibt keinen augenscheinlich erkennbaren Trend. Müsste sich nicht das Muster aus den vorangegangenen Abbildungen ansatzweise wiederfinden?

Die Frage ist damit: Macht es überhaupt Sinn der saisonalen Strategie 'Sell in May' zu folgen, danach zu handeln oder zu traden? Dieser Frage werde ich nächste Woche im 2. Teil nachgehen.

Hier gelangen Sie zu Teil 2

10.04.2013: Der deutsche Aktienindex fällt und die Zufriedenheit unter den Umfrageteilnehmer nimmt zu. Wie passt das zusammen?

Hinter uns liegt eine spannende Woche. Während der Dow Jones Index noch Rekordstände erreichte, musste der DAX einen deutlichen Rückschlag hinnehmen. Gestern beendete der Deutsche Aktienindex den Handel bei 7638 Zählern.
Performance Sentiment
‚Zufrieden‘ bedeutet in diesem Zusammenhang die Zufriedenheit der Umfrageteilnehmer mit ihrer Performance. Wenn sie mit ihrer Performance zufrieden sind und der Markt gefallen ist, können sie den Kursverlust beim DAX nicht mitgemacht haben. Das heißt, sie hatten bereits vorher einzelne Positionen mit Gewinn verkauft. Realisierte Gewinne machen froh. Der Rückgang des deutschen Leitindex bestätigte ihre Einschätzung, was die Zufriedenheit natürlich erhöht.

Was bringt die Zukunft? Warum nicht den Markt von außen beobachten und erstmal abwarten? Immerhin liegt vor uns die Bilanzsaison deutscher Unternehmen.

Vermutlich werden die Bilanzahlen positiv ausfallen. Doch bei den Ausblicken könnte es zu einigen Überraschungen kommen. Das DIW senkte heute seine Wachstumsprognose für Deutschland. Insgesamt sieht das Institut den deutschen Konjunkturmotor positiv, doch die schwache Wirtschaftsleistung im Euroraum gibt dem Institut Anlass zur Sorge.

03.04.2013: Ist Zypern nur ein Sonderfall? Der Dax hat sich trotz Zypern-Krise in der vergangenen Woche gut gehalten. Das Sentiment tendiert leicht unter null.

Zypern, Zypern, Zypern
Das Thema dominierte die Medien und den letzten Tagen. Nun soll das Land 10 Milliarden Euro von anderen Eurostaaten und dem IWF als Überbrückungskredit erhalten. Als Gegenleistung soll gespart, gekürzt und Steuern erhöht werden.

Wichtiger für Europa und die europäischen Aktienmärkte ist in meinen Augen die Regelung, vermögende Anleger mit 37,5 Prozent ihrer Einlagen oberhalb der 100.000,- Euro-Grenze zur Kasse zu bitten. Wird hier nicht ein Präzedenzfall geschaffen? Wenn der Staat keine andere Möglichkeit mehr hat, greift er direkt in die Tasche seiner Bürger.

Kann auch bei uns eine ähnliche Situation entstehen? Alle sind sich einig: „Zypern ist ein Sonderfall“ (Schäuble, Junker oder der Bundesverband der deutschen Banken). Was soviel heißt wie „bei uns ist es anders.“ Bei uns wird niemand an das Vermögen der Bürger gehen. Aber trotzdem: Die Vorstellung ist in der Welt und in den Köpfen der Menschen. ‚Auch wenn die Wunde behandelt wurde, die Narbe bleibt.‘

Was wird passieren, wenn der nächste Staat um europäische Rettungskredite bittet?

Der DAX

Die deutsche Börse hat sich in der Zypern-Phase erstaunlich gut geschlagen. Anleger sehen offenbar keinen Grund, an der Rettungskompetenz der europäischen Führung zu zweifeln. Der DAX hat durch die Zypern-Entscheidung keine neue Richtung bekommen. Er bleibt knapp unterhalb von 8000 Zählern. Sentiment-Index-WocheGesten schloss der Leitindex mit 7944 Zählern. Vor einer Woche lag der DAX knapp ein Prozent tiefer.

Das Sentiment
Die aktuellen Prognosen für den DAX am Ende der Woche haben sich deutlich verbessert. Offenbar sehen viel Umfrageteilnehmer eine Stabilisierung, nach dem die Maßnahmen für Zypern bekannt gegeben wurden. Zugleich ist an diesem Sentiment-Index abzulesen, dass ein Kurseinbruch in diesen Tagen kein Thema ist. Die Crash-Propheten sind trotz Zypern leiser geworden.

Lesen Sie hier weiter, um mehr über die aktuellen Sentiment-Indizes zu erfahren.

27.03.2013: Union Investment führt in regelmäßigen Abständen eine Umfrage zum Anlegerverhalten durch. Obwohl die befragten Personen optimistisch sind, wollen die wenigsten Anleger Aktien kaufen.

Das Ergebnis zum Anlegerverhalten wurde zuletzt vor zwei Tagen veröffentlicht. 46% der von Union Investment befragten Personen erwarten steigende Aktienkurse, teilte die Investment Bank mit. Das ist der höchste Wert seit knapp zwei Jahren und spricht für eine optimistische Grundeinstellung von Privatanlegern bei der Union Investment. Erwähnt werden muss, dass nicht nur aktienaffine Anleger befragt wurden, sondern 500 'Finanzentscheider' in privaten Haushalten im Alter von 20 bis 59 Jahren. Deshalb kann man 46% als ein optimistisches Ergebnis bezeichnen.

Vergleich Tagesgeld

Die Investment Bank schreibt weiter, dass sich der Optimismus jedoch nicht auf das Verhalten der Privatanleger auswirkt. Obwohl die Anleger erwarten, dass es an den Aktienmärkten in den nächsten Monaten aufwärts gehen wird, wollen nur wenige in Aktien oder Aktienfonds investieren. Gaben vor zwölf Monaten noch 54% der Befragten an, Aktien oder Aktienfonds zu besitzen, waren es im Februar 2013 nur noch 46%.

Die Privatanleger sind also optimistisch für DAX & Co, investieren aber trotzdem nicht in Aktien oder Aktienfonds. Wer nicht investiert ist, erwartet im Grunde genommen auch keine steigenden Kurse. Aus meiner Warte sehe ich daher in dem Umfrageergebnis ein Anlegerverhalten, was kaum für einen stetigen Aufschwung spricht. Kaufen viele Privatanleger Aktien, bilden sie ein gutes Fundament für einen stabilen Aufschwung. 

Im Mitgliederbereich finden Sie die aktuellen Sentiment Indizes von marketVote.

13.03.2013: In einem Beitrag vor zwei Wochen, war ich auf drei wenig Gewinn versprechende Verhaltensweisen eingegangen: unbestimmt sein, zögern und aufgeben. Heute gehe ich auf die dahinterliegende Psychologie ein. Sie erhalten einen Einblick, wie Sie diese Haltungen an der Börse vermeiden können. Mein Tip: Halten Sie Ihr Engagement im Gleichgewicht.

Der erste Hinweis ist einfach. Tun Sie einfach das Gegenteil von dem, was keinen Erfolg verspricht - vgl. Artikel. Seien Sie nicht unbestimmt und formulieren Sie klare Ziele. Zögern Sie nicht, wenn Sie verkaufen sollten. Geben Sie nicht auf, wenn die Kurse sich nicht so entwickeln wie Sie erwartet hatten. Überarbeiten Sie lieber Ihre Strategie und hinterfragen Sie Ihre Ziele und sich selbst.

Das ist leicht gesagt. Doch wie können Sie es schaffen, Absichten erfolgreich umzusetzen? Dazu betrachte ich drei psychologische Merkmale.

Selbstdisziplin ist gut

SelbstdisziplinEinige Experten schwören auf Selbstdisziplin. Sie nennen es auch mentale Stärke oder Tradingdisziplin. Psychologen nennen es Selbstkontrolle. Es geht darum, eine Sache durchzuziehen. Dabei verengt man sein Bewusstsein auf das Erreichen eines Anlageziels oder einer Tradingabsicht. In der Tat müssen Emotionen zurückgestellt werden.

Stellen Sie sich vor, Sie besitzen eine Aktie und haben sich vorgenommen, sie bei einem Rückgang von 15% zu verkaufen. Erreicht nun der Wert diese Stoppmarke, müssen sie diszipliniert handeln. An dieser Stelle ist es notwendig, Hoffnungen auf einen schnellen Wiederanstieg auszuschalten. Auch ein automatisch ausgelöster Stopp muss keine Rettung sein. Oft genug hörte ich von einem sofortigen Wiedereinstieg, nachdem der Stopp ausgelöst wurde.

Emotionen sind auch gut

Emotionen beim TradingWenn sich Ihr Depot positiv entwickelt, dann müssen Sie nicht diszipliniert sein. Sie können sich entspannt zurücklehnen oder mit Begeisterung Ihre Strategie optimieren. Menschen brauchen Emotionen wie die Luft zu atmen.

Positive Emotionen sind notwendig um eine erfolgreiche Investition in Ihrem Erfahrungsschatz abzuspeichern. Haben Sie eine Aktie mit Gewinn verkauft, sagt Ihnen Ihre Freude: ‚Hier habe ich etwas richtig gemacht.‘ Sie erfahren wie es läuft und reichern Ihren Erfahrungsschatz an.

Auch negative Gefühle, die durch einen Verlust verursacht wurden, dienen dazu den Erfahrungsschatz anzureichern. Nur so kann ein Anleger wirklich dazulernen und wahre Erfahrungen sammeln.

Gleichgewicht ist besser

Manch einer wird nun fragen: Was soll ich tun? Emotionen ausschalten oder sie einschalten?

Die Schwierigkeit und auch die Kunst erfolgreich zu handeln liegt darin, im richtigen Moment umschalten zu können - umschalten von einem entspannten Zustand in eine disziplinierte Handlungsweise.

Gleichgewicht beim TradenWer in der Lage ist, die eine oder andere Haltung im richtigen Moment zu aktivieren, besitzt eine Voraussetzung, um erfolgreich an der Börse zu agieren. Leider ist das leichter gesagt als getan. Alle Menschen bringen bestimmte Grundhaltungen mit. Der eine handelt eher im Einklang mit seinen Emotionen und aus seinem Erfahrungsschatz heraus. Der andere handelt zielgerichtet und erfolgsorientiert wie ein automatisches Handelssystem. Überlegen Sie also zuerst, wie Ihre Grundhaltung aussieht.

Wer über beide Haltungen verfügt - Selbstdisziplin und Zugang zu seinem Erfahrungsschatz, besitzt eine erste Voraussetzung für langfristigen Erfolg an der Börse. Die zweite Voraussetzung, die Kunst im richtigen Moment umzuschalten zwischen Handlung und Emotionen, ist nicht minder wichtig.

Nur so ist es möglich, sich und somit sein Börsenengagement im Gleichwicht zu halten.

06.03.2013: Trotz Allzeithoch beim Dow Jones gestern Abend, scheint es noch keine Richtungsentscheidung gegeben zu haben. Auf welcher Seite stehen Sie?

Heute Morgen las ich einen aktuellen Artikel der Süddeutschen Zeitung . Die Überschrift ist äußerst positiv: „Hochstimmung an den Börsen in Deutschland und USA“. Kurz darunter, im Anrisstext findet sich die Aussage: „Doch ein Rekordwert beim Dow bedeutet noch lange nicht das Ende einer Krise - manchmal sogar ihren Anfang.“
Stimmungslage 2013
Was denn nun? - dachte ich für mich. Allerdings fängt der Autor die aktuelle Marktlage treffend ein. Die Bullen sagen ‚rauf‘, die Bären sagen ‚runter‘.

Dies zeigen auch die Umfrageergebnisse in dieser Woche. Optimisten und Pessimisten spalten sich in zwei ebenbürtige Gegner. 50% sind zuversichtlich, 30% besorgt und 20% vorsichtig eingestellt - siehe Abbildung.

Das Allzeithoch des Dow kann für beide Haltungen als Argument dienen.

Bären argumentieren, dass der Dow schon einmal erfolglos versuchte, das aktuelle Top nachhaltig zu überwinden.

Das war 2007. Es folgte die Subprimekrise und neue Krisen. Ebenso ist die aktuelle Krise noch nicht überwunden. Das BIP im Euroraum sank im vierten Quartal 2012 um 0,6% (2. Schätzung, heute, eurostat). Warum also sollten Aktien weiter steigen? - fragen die Skeptiker.

Für Bullen ist ein Allzeithoch eine willkommene Gelegenheit auf den fahrenden Zug aufzuspringen. Und wenn die Wirtschaft strauchelt, dann erhalten wir mehr Liquidität. Was interessiert gestandene Börsianer die Konjunktur. Der Motor braucht Öl, um zu laufen. Und sie setzen auf Öl in Form von Liquidität  - morgen ist übrigens Sitzung der EZB.

Ich meine, es besteht genügend Luft in beide Richtungen. Immerhin ist die Volatilität noch immer relativ niedrig. Auf welcher Seite stehen Sie? Bulle oder Bär. Wir freuen uns über jeden Kommentar. Teilen Sie Meinung.

27.02.2013: An der Börse ab und zu Gewinne zu erzielen, ist einfach. Schwerer ist es, mit Verlusten umzugehen. Anleger unterscheiden sich darin, wie sie mit Verlusten umgehen.

Haben Sie schon einmal Verluste an der Börse gemacht? Ein jeder - egal ob Anleger, Investor, Quant oder Trader - der dies abstreitet, hat entweder Glück gehabt oder sein Erfolg unterliegt seltsamen Mächten, die Normalsterbliche nicht erklären können.

An der Börse machen Menschen Fehler, weil sie sich in ein riskantes Umfeld begeben. Schnell findet man sich in Schwierigkeiten wieder, mit denen man nicht gerechnet hat. In diesen Situationen erscheinen verborgene Verhaltensmuster, die Einfluss nehmen auf Ihren Erfolg an der Börse.

Hier finden Sie drei Haltungen, die ich bei Anlegern, Tradern und anderen Börsianern in Gesprächen beobachtet habe. Sie gehen auf Professor Julius Kuhl und den Berater und Coach Jens-Uwe Martens zurück. Ich habe die 'Haltungen' für Anleger, Trader und alle anderen Börsianer mit einigen Beispielen versehen.

Die Unbestimmten

unbestimmte und ohne ZielDie Unbestimmten haben keine eindeutigen Ziele. Sie steigen einfach in den Markt ein, ohne sich über kommende Gewinne oder Verluste Gedanken zu machen. Es fehlt ihnen ein wohldefiniertes Ziel, bspw. eine persönliche Rendite, die sie anstreben. Ein anderes Ziel könnte die Vermeidung von Verlusten sein.

Ohne Ziele sind sie darauf angewiesen, dass andere ihnen einen Anstoß geben. Die Unbestimmten sind in besonderem Maße von dem abhängig, was Gurus sagen und die Marktstimmung vorgibt. Sie kaufen ohne nachzudenken. Noch schwieriger ist es für Sie, aus dem Markt auszusteigen. Sie steigen daher aus, wenn die Masse verkauft.

Die Zögerer

Zögerer haben Zielvorstellungen. Die Verfolgung ihrer Ziele wird jedoch immer wieder aufgeschoben. Ich kenne selbst ernannte Trader, die schon seit Jahren an dem perfekten Handelssystem basteln und noch keinen Trade durchgeführt haben. Immerhin: Wer nicht investiert, kann auch nicht verlieren.

Schwieriger wird es für Zögerer, wenn die Börse beginnt zu fallen und sie im Aktienmarkt engagiert sind. Obwohl sie das Ziel haben bei - sagen wir 15% Verlust - auszusteigen, schieben sie dieses Vorhaben auf. ‚Erst mal gucken, dann mal sehen‘ sagen sie sich. Sie beobachten die Kursverluste weiter und verschieben den Ausstieg Woche für Woche.

Die Aufgeber

Aufgeber steigen gern in den den Aktienmarkt ein, denn sie haben ein klares Ziel - machmal gar eine Vision. Jedoch sind sie bei den ersten negativen Nachrichten wieder draußen. Für sie trifft in besonderem Maße zu, Gewinne nicht laufen zu lassen. Lieber nehmen sie einen kleinen Gewinn mit, als auf eine große Bewegung zu spekulieren. Schwer tun sie sich mit hoher Volatilität. Ihr Engagement am Aktienmarkt geben sie bei hoher Volatilität auf. Nach einigen Kursverlusten an der Börse kehren sie ihr schnell wieder den Rücken.

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Haben Sie eines dieser Muster schon einmal bei anderen oder Ihnen beobachtet? Eine Haltung zu erkennen ist der erste Schritt sie zu verändern. Andere Möglichkeiten, wie Sie Ihre Haltung verändern können, lesen Sie hier .

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