Börsenkommentar

22.02.2012: Der Anlegerindikator der DZ Bank zeigt, dass der Aufschwung beim DAX an privaten Anlegern vorbeigegangen ist. Auf marketVote sind die Umfrageteilnehmer etwas optimistischer.

Im Zeitfenster vom 27. Januar bis 2. Februar 2012 ließ die DZ Bank eine Umfrage zur Stimmung am Aktienmarkt unter privaten Anlegern durchführen - der Anlegerindikator der DZ Bank.

Wie die DZ Bank >> kürzlich mitteilte rechnen momentan nur 27% der Privatanleger damit, dass Aktienkurse in den kommenden sechs Monaten steigen werden. Die Zahl der Pessimisten liegt mit etwa 30% etwas höher als die Zahl der Optimisten. Somit gibt es erstmals seit Januar 2009 mehr Privatanleger, die fallende Kurse erwarten als die, welche steigende Kurse prognostizieren.

Wie die DZ Bank feststellt, ist die Zahl der Optimisten momentan ähnlich gering wie nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers. Zur Risikoeinschätzung der Privatanleger schreibt die DZ Bank: "Wie im Spätsommer 2008 glauben aktuell 52% der Privatanleger, dass die Risiken an den Börsen steigen werden. Nur eine kleine Minderheit von 8% geht davon aus, dass die Risiken abnehmen werden."

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In meinen Augen zeigt die Umfrage, dass der Kursanstieg beim DAX ohne die Privatanleger stattgefunden hat. Sie hoffen nun auf fallende Kurse um in den steigenden Markt einsteigen zu können. Aus diesem Grund werden die Risiken höher als die Chancen eingestuft. Die negative Berichterstattung in den Medien zur Schuldenkrise und Griechenland unterstützen diese Ansicht.

Für die längerfristige Entwicklung des DAX ist das ein gutes Zeichen, da es noch genügend Anleger gibt, die später in den Markt einsteigen werden.

Die befragten Marktteilnehmer auf marketVote sind etwas optimistischer gestimmt. Auf Sicht von drei Monaten erwarten Sie leicht fallende Kurse am deutschen Aktienmarkt. Langfristig geht die Mehrheit jedoch von weiter steigenden Kursen aus. Die Mehrheit erwartet eine Konsolidierung in einem Aufwärtstrend.

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15.02.2012: In Erwartung positiver Signale zur künftigen Konjunkturentwicklung und einer Lösung für Griechenland hat der DAX zuletzt kräftig zugelegt. Die Lösung in Griechenland lässt momentan noch auf sich warten. Zur konjunkturellen Entwicklung hingegen hat das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) gestern positive Zahlen vorgelegt.
ZEW Index
Der ZEW-Index legte zum dritten Mal in Folge deutlich zu. Der Index des ZEW für die Konjunkturerwartungen liegt aktuell bei 5,4 Punkten. Bemerkenswert ist nicht nur, dass das Stimmungsbarometer um gut 25 Punkte gestiegen ist, sondern sich aus dem Minusbereich befreit hat. Dieser konjunkturelle Sentimentindikator zeigt, dass die konjunkturelle Talsohle durchschritten ist.

Der ZEW-Index für die Erwartungen weist einen engen Zusammenhang mit der konjunkturellen Entwicklung auf und hat des Öfteren Wendepunkte beim DAX markiert. Die Teilnehmer der Umfrage sind 350 Finanzexperten, welche die künftige gesamtwirtschaftliche Situation danach einschätzen, ob sich die konjunkturelle Situation verbessern, verschlechtern oder nicht verändern wird. Aus den Ergebnissen der Umfrage berechnet das ZEW das Stimmungsbarometer für die Konjunkturerwartungen.

Von einer Rezession spricht kaum ein Finanzexperte. Vielmehr gehen Experten davon aus, dass es in Deutschland zu einer Stagnation bei der Wirtschaftsentwicklung kommen wird. Als Grund wird angeführt, dass sich Sparzwänge in Europa mit weiterer Nachfrage aus China die Waage halten werden. Diese Erwartung wird auch durch den ZEW-Index bestätigt. Auch wenn der ZEW-Indx für die Erwartungen deutlich gestiegen ist, liegt er mit 5,4 Punkten in der Nähe der Nulllinie.

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08.02.2012: Erwartungshaltung positiv. Eine skeptische Grundhaltung ist eine gute Basis für steigende Kurse.

Der DAX gewann in den vergangenen Wochen und Tagen deutlich. Sein Aufschwung gewinnt an Fahrt und seine Bewegung hat augenscheinlich exponentiellen Charakter. Mit den Kursgewinnen stiegen auch die Erwartungen an die zukünftige Kursentwicklung des DAX. Die Erwartungshaltung nimmt also zu. Die Marktstimmung verbessert sich.
Skepsis
Trotzdem bleibt auch Pessimismus im Markt. So ist eine deutliche Mehrheit der befragten Marktteilnehmer skeptisch eingestellt. Dieses Ergebnis zeigt die Frage, wie Marktteilnehmer ihre eigene aktuelle Stimmung zum deutschen Aktienmarkt einstufen. Besonders viele Marktteilnehmer gaben an, dass die Skepsis ihre vorherrschende Stimmungslage ist. (vgl. Abbildung: Entwicklung der skeptischen, eigenen Stimmungslage in den letzen Monaten).

Nutzen aus steigenden Kursen ziehen vor allem jene Anleger, die im Markt investiert sind. Daher werden sie mehrheitlich auch steigende Kurse erwarten. Trotzdem scheinen einige Marktteilnehmer kalte Füße zu bekommen. Immerhin ist der Anstieg des DAX so fulminant, dass Angst um Gewinne nur zu verständlich ist.

Das Sentiment ist also insgesamt positiv. Gepaart mit einer skeptischen Einstellung ist das eine gute Voraussetzung, die den DAX mittelfristig weiter nach oben treiben kann.

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01.02.2012: Der DAX klettert weiter nach oben und das Sentiment bleibt insgesamt neutral. Technische Indikatoren zeigen allerdings einen überkauften Markt an.

DAX WochenschlusskurseDer nun beschlossene Fiskalpakt wurde an der Börse erwartet und führte zu keinen negativen Überraschungen. Daher blieben die Kurse beim DAX stabil. Die Herausstufung von Spanien und anderen europäischen Ländern durch Fitch verunsicherten die Anleger nicht mehr.

Auffällig ist das äußerst positive Sentiment für die langfristige Entwicklung beim DAX. Die überwiegende Mehrheit geht von weiter steigenden Kursen innerhalb des nächsten Jahres aus. Damit kann eindeutig von einer Bodenbildung oberhalb von 5000 Punkten gesprochen werden.

Kurz- und mittelfristig bleiben die befragten Marktteilnehmer vorsichtig. Die Entwicklung kann nicht ewig so weitergehen. Wenn doch, steht der DAX im Mai 2012 bei seinem All Time High. Auch befinden sich viele technische Indikatoren wie der Stochastik und MACD (jeweils 38 Tage) deutlich im überkauften Bereich.

Die gefühlte Stimmung zum DAX ist insgesamt pessimistisch. Das ist mittelfristig kein negatives Signal, denn ein wenig Pessimismus braucht jede Börse, um zu steigen.

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25.01.2012: Nachdem der DAX in den letzten Monaten rund 25% zugelegt hat, glauben die wenigsten der befragten Marktteilnehmer an weiter steigende Kurse.
Sentiment DAX am Ende der Woche
Neben vielen Umfragen zum Sentiment am deutschen Aktienmarkt wird auf marketVote regelmäßig gefragt, wie der DAX am Ende der Woche stehen wird. Rund 70% erwarten aktuell, dass der DAX in den nächsten Tagen fallen wird. Nur wenige Anleger können sich also einen weiteren Anstieg am deutschen Aktienmarkt vorstellen.

Ein deutliches Ergebnis, wie auch im Chart zu erkennen ist! Es sieht nach Verlusten mit Ansage aus. Der jede Woche ermittelte Indikator zu dieser Frage hat sich deutlich verschlechtert. Der Wert liegt aktuell bei rund 34 Punkten.

Besonders interessant ist die Betrachtung der letzten Wochen. Je höher die Kurse beim DAX gestiegen sind, desto weniger glauben die befragten Anleger an einen weiteren Anstieg am deutschen Aktienmarkt.

Auch die Sentimentumfrage nach der Erwartung zum DAX in drei Monaten zeigt ein ähnliches Bild. Den Chart für die Erwartung DAX in drei Monaten sehen Sie im Mitgliederbereich.

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18.01.2012: Deutschland geht gestärkt aus der Bewertungsrunde von S&P hervor. Die neuste Sentimentumfrage zeigt, dass die Zinsen weiter fallen. Dies erwarten jedenfalls mehr befragte Marktteilnehmer als in der Woche zuvor.

Der DAX hat sich in den letzten Tagen sehr gut geschlagen. Im Vergleich zu letzten Dienstag legte er rund 2,6 % zu. Dies ist umso erstaunlicher, da die Nachrichten keineswegs positiv waren. Die Ratingagentur S&P senkte die Kreditwürdigkeit von Frankreich, Spanien, Portugal und weiteren europäischen Ländern.

Frankreich verlor erstmals die bestmögliche Note AAA bei S&P. Die Abstufung von Frankreich war eine Abwertung mit Ansage, denn schließlich "verlor" Frankreich seine Top-Bewertung schon einmal für gut anderthalb Stunden aufgrund einer Fehlmeldung von S&P (vgl. 'Börsenstimmung kaum verändert - in Frankreich steigen die Zinsen', November 2011). Zudem verlor am Montag auch der europäische Rettungsschirm EFSF die AAA-Bonitätsbewertung im Hause S&P.

Deutschland konnte seine Topbewertung behalten. Auch der Ausblick von S&P für Deutschland fiel positiv aus, sodass Deutschland nicht befürchten muss, in Zukunft seine AAA-Bewertung bei S&P zu verlieren. Deutschland geht gestärkt aus dieser Neubewertung hervor. Dieses Ereignis verstärkte den Run auf deutsche Staatsanleihen. Die Umlaufrendite fiel auf ein neues Rekordtief bei 1,64%.

Sentiment Zinsprognose UmlaufrenditeUnd auch das Sentiment für die Zinsen fiel. Die Frage nach der Umlaufrendite in drei Monaten wurde durchschnittlich negativer beantwortet als in der Vorwoche. Das Sentiment für die Umlaufrendite in drei Monaten ist gefallen und liegt aktuell bei 45 Punkten. In der Vorwoche lag der Wert noch bei 60 Punkten (vgl. Abbildung).

Positive Signale kommen von der konjunkturellen Sentimentumfrage des ZEW. Die ZEW-Konjunkturerwartungen für Deutschland stiegen überraschend an. Gestern präsentierte das ZEW die neuesten Zahlen seiner Konjunkturumfrage. Nachdem die Konjunkturerwartungen für Deutschland in der letzten Umfrage des ZEW nahe dem Allzeittief gelegen haben (vgl. 'Ifo-Geschäftsklima und ZEW-Konjunkturerwartungen', Dez. 2011), sind die Erwartungen nun wieder gestiegen.

Der Indikator stieg um gut 32 Punkte und liegt mit minus 21 Punkten weiterhin im negativen Bereich. Dieses Ergebnis spricht gegen einen deutlichen Konjunktureinbruch, wie er einigen befürchtet wird.

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11.01.2012: Ein Blick auf die Unternehmensbewertung zeigt, dass Unternehmensgewinne demnächst fallen könnten.

Bei marketVote wird jede Woche gefragt, wie die fundamentale Bewertung aller DAX Unternehmen eingeschätzt wird (fundamentales Sentiment). In der aktuellen Umfrage gaben 50% aller befragten Marktteilnehmer an, dass Unternehmen, die im DAX gelistet sind, unterbewertet sind. Zudem gaben 25% an, dass Unternehmen im DAX fair bewertet sind.
Markt-KGV
Aus den wöchentlichen Umfragen wird ein Indikator gebildet, der in der Abbildung zu erkennen ist. Je geringere Werte dieser Indikator annimmt, desto eher sind die Befragten der Meinung, dass DAX-Unternehmen unterbewertet sind.

Der Indikator bewegt sich seit einigen Wochen mit leicht abnehmender Tendenz seitwärts . Die befragten Marktteilnehmer sind tendenziell der Meinung, dass die Unternehmen im DAX leicht unterbewertet sind, denn der Indikatorwert liegt knapp unterhalb des mittleren Werts von 50 Punkten.

Die fundamentale Bewertung eines Index wird häufig mit dem Kurs-Gewinn-Verhältnis eines Index (Markt-KGV) ermittelt. Zur Berechnung benötigt man neben dem Indexwert (hier: DAX) den Jahresgewinn aller im DAX geführten Unternehmen und teilt ihn im Grunde durch die Anzahl aller von den Unternehmen ausgegebenen Aktien. Damit erhält man den durchschnittlichen Gewinn, der auf eine Aktie entfällt. Als letzten Schritt teilt man den Indexwert durch den Gewinn aller Unternehmen im Index. So erhält man das DAX-KGV.

Das aktuelle Markt-KGV für den DAX liegt auf Grundlage der tatsächlich erzielten Gewinne in der Vergangenheit momentan bei rund 10. Das langjährige Durchschnitts-KGV der DAX-Unternehmen liegt in etwa bei 15. Insofern kann man behaupten, dass die DAX-Unternehmen momentan günstig bewertet sind, denn ihre Bewertung liegt deutlich unterhalb ihrer durchschnittlichen Bewertung.

Trotzdem wird in der Befragung die Unterbewertung nicht so deutlich gesehen, wie man sie mit Hilfe des Markt-KGV's berechnen kann.

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An der Börse wird schließlich die Zukunft gehandelt. Möglicherweise gehen viele der befragten Marktteilnehmer davon aus, dass die Gewinne der Unternehmen im DAX fallen werden. Vorausgesetzt, die Kurse bewegen sich in nächster Zeit seitwärts, wird sich das aktuelle Markt-KGV an seinen Durchschnitt von 15 automatisch anpassen, d.h. das Markt-KGV wird steigen, wenn die Gewinne fallen. Die aktuelle Berichtssaison hat gerade begonnen. Entscheidend für die weitere Entwicklung des Markt-KGV's werden die Ausblicke der Unternehmen sein.

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04.01.2012: Dünne Umsätze beim DAX, eine negative Einschätzung der eigenen Stimmungslage und die Erwartung für fallende Kurse beim DAX in den nächsten Monaten sprechen gegen eine nachhaltige Januar-Rallye. Das Sentiment für die nächsten Monate ist negativ.
gefühlte Börsenstimmung, eigene Stimmunglage
Entgegen der Kursgewinne in den ersten Tagen des Jahres, ist die gefühlte Stimmung zum DAX im Vergleich zur Vorwoche deutlich schlechter geworden (vgl. Abbildung rechts). Dieser kurzfristige bis mittelfristige Indikator zeigt, dass dem aktuellen Anstieg des DAX nicht getraut wird. Die befragten Marktteilnehmer sind skeptisch, besorgt und vorsichtig. Nur Wenige der befragte Marktteilnehmer zeigen sich zuversichtlich. 

Diese Ansicht wird untermauert durch die Erwartungshaltung zum DAX in drei Monaten. Dieser Sentiment-Indikator fiel im Vergleich zur letzten Umfrage deutlich auf jetzt unter 30 Punkte. Auch die aktuell geringen Umsätze am deutschen Aktienmarkt sprechen nicht für eine anhaltende Januarrallye am deutschen Aktienmarkt. 

Und wo steht der DAX in einem Jahr? WELT-ONLINE errechnete aus 29 Prognosen für 2012 führender Investmenthäuser einen DAX am Jahresende 2012 von 6485 Punkten >>. Dies entspricht in etwa den Erwartungen, welche Marktteilnehmer auf marketVote in dieser Woche abgegeben haben. Sie erwarten, dass der DAX am Jahresende leicht gestiegen sein wird. Auffällig dabei ist die angegebene Unsicherheit zu dieser Einschätzung. Viele Befragten sind sich nicht sicher oder nur ein wenig sicher, wie der DAX am Jahresende stehen wird.

Die Börse ist verunsichert. Die wenigsten Marktteilnehmer glauben wahrhaftig an ihre eigenen Prognosen. Und was ist für die Börse am schlimmsten? Eine zu große Portion Unsicherheit.

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21.12.2011: Kreditinstitute können sich nun von der Europäischen Zentralbank für drei Jahre Liquidität in unbegrenzter Höhe leihen. Das Hauptproblem in Europa und den Börsen bleibt eine Krise des Vertrauens.

"Das Geld zirkuliert einfach nicht", sagte Mario Draghi, Chef der EZB und versorgt Kreditinstitut mit Liquidität. Die Märkte steigen. Kreditinstitute können sie sich nun in unbegrenzter Höhe Liquidität von der EZB für drei Jahre zu einem Zinssatz von 1% leihen. Der Zeitraum ist ungewöhnlich lang und theoretisch können Sie sich damit ihrer Liquiditätssorgen entledigen. (vgl. bspw. Michael Mross: 'EZB gibt Banken 500 Milliarden' >> )
vertrauen-liquidität
Aber werden Kreditinstitute die neu gewonnene Liquidität auch weitergeben? Ob Immobilienkrise, Finanzkrise, Schuldenkrise, Staatsschuldenkrise, ... Allen Krisen gemein war und ist fehlendes Vertrauen. Oft wird von einer Vertrauenskrise gesprochen.

Was heißt Vertrauen?

Vertrauen hat mit der Erkenntnis zu tun, dass viele Ereignisse wie Konjunktur, Arbeitslosenzahlen, Aktienmärkte oder Börsennentwicklungen nur begrenzt kontrollierbar sind. Niemand hat also die vollständige Kontrolle über die aktuelle und zukünftige Entwicklung der Wirtschaft.

Die Einsicht in die Unkontrollierbarkeit wird von Menschen durch das Vertrauen in andere Menschen ersetzt. Konkret: Man vertraut, dass Partner glaubwürdig und zuverlässig sind. Vertrauen bedeutet, dass andere sich so verhalten, dass sie die an sie gestellten Erwartungen erfüllen.


Wozu vertrauen?

Nur wer darauf vertrauen kann, dass Partner glaubwürdig und zuverlässig sind, ist in der Lage, eigene Pläne zu verfolgen und umzusetzen. Für die Wirtschaft und die Börse heißt dass: Nur im Vertrauen auf andere sind Garantien glaubwürdig und können Gewinne erzielt werden. Deshalb ist Vertrauen wichtig. Egal ob Immobilienkrise, Finanzkrise, Schuldenkrise oder  Staatsschuldenkrise - ohne Vertrauen kann eine schwere Rezession nicht verhindert werden.

Vertrauen baut sich auf, wenn langfristig kalkuliert werden kann. Kreditinstitute können sich jetzt für die nächsten Jahre günstig Liquidität besorgen. Ein langer, garantierter Zeitraum, der Vertrauen schaffen kann, denn eine Kalkulationsbasis von drei Jahren ist ein langfristig kalkulierbares Zeitfenster.

Die Frage ist also weniger, wie man die ökonomischen Krisen technisch in den Griff bekommt, sondern wie man wirklich Vertrauen schaffen kann. Nach dem EU-Gipfel von vorletzter Woche ist dies heute der zweite Schritt für eine Vertrauensgrundlage in Europa. Auf dieser Basis - weitere Schritte müssen folgen - können Börsianer auch wieder Vertrauen in Trends und Fundamentaldaten finden.

14.12.2011: Der EU-Gipfel veränderte das Sentiment kaum. Der ZEW-Indikator bewegt sich seitwärts. Für eine Bodenbildung ist es aber noch zu früh.

Der DAX befindet sich seit Nikolaus in einem kurzfristigen Abwärtstrend. Die Befragungen zum Sentiment haben sich im Vergleich zur letzten Woche wenig verändert. Der Trend und die Sentimentdaten zeigen, dass der EU-Gipfel in der vergangenen Woche nur wenig Einfluss auf den DAX hatte. Insofern brachte der EU-Gipfel auch wenig neue Impulse.

Das Ergebnis: Merkozy ohne Cameron. Das bedeutet: Je weniger Länder zum Kern der EU gehören, desto weniger Kompromisse müssen gefunden werden. Mit dem Ausscheiden von England müssen in Zukunft weniger Kompromisse eingegangen werden. Die EU ist damit handlungsfähiger geworden. Dies ist positiv für die Börse.

Gestern wurden die ZEW-Konjunkturerwartungen für Dezember 2011 veröffentlicht. Das Stimmungsbarometer des ZEW habt sich so gut wie nicht verändert, weshalb diese Veränderung in der Abbildung auch kaum zu erkennen ist. Der ZEW-Index stieg minimal auf minus 53,8 Punkte. "Die Finanzmarktexperten rechnen offenbar mit einer geringeren Wirtschaftsdynamik, aber nicht mit einem Absturz der deutschen Wirtschaft im nächsten halben Jahr", so Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Wolfgang Franz vom ZEW.

                                   Konjunkturerwartungen, Dez. 2011 (Erwartungen Ifo-Geschäftskl. und ZEW-Indikator)
Vergleich Geschäftsklimaindex und Konjunkturerwartung Zum Vergleich habe ich die beiden großen Umfragen zum Sentiment der Konjunktur, den ZEW-Konjunkturindikator und die Erwartungen aus den Befragungen des Ifo-Geschäftsklimaindex übereinander gelegt (z-standardisierte Werte). Die Ergebnisse der Konjunkturerwartungen vom Ifo-Institut (letzte Erhebung: 24. November 2011) zeigen ein ähnliches Bild.

Eine Bodenbildung der Konjunkturerwartungen wurde häufig von einer Bodenbildung im DAX begleitet und war damit ein hilfreicher Indikator für die weitere Entwicklung beim deutschen Aktienindex.

Die Frage ist, ob man heute bereits von einer Bodenbildung bei den Konjunkturerwartungen sprechen kann? Dafür ist es meines Erachtens noch zu früh. Denn auch Erwartungen zur Konjunktur können wie die Abbildung zeigt, ins Bodenlose fallen. Im Jahr 2008 erreichten die Konjunkturerwartungen des Ifo-Geschäftsklimaindex ihren Tiefpunkt.

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Weitere Berichte zum Thema:
aktueller Bericht zum ZEW-Indikator (15.02.12) >>

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